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26. Treffen in Mühlhausen im Täle

von | 18 Okt.,2021 | Allgemein

20. – 22. April 2012

Die Fahrbahnteilung bei Mühlhausen im Täle

Der 16 km lange Albaufstieg, im Verlauf der A 8 zwischen Stuttgart und Ulm, die frühere Strecke 42, führt vom Albvorland bei Kirchheim unter Teck hinauf auf die Hochfläche der Schwäbischen Alb. Zwischen der Anschlussstelle (AS) Aichelberg und dem Behelfsanschluss Hohenstadt überwindet er dabei in zwei Stufen rund 380 Höhenmeter. Der erste Anstieg am Albtrauf, dem Steilabfall der Schwäbischen Alb, ist 3 km lang mit einer Höhendifferenz von 200 m. Nach einer „verlorenen Steigung“ von 50 m teilen sich an der AS Mühlhausen die Richtungsfahrbahnen, um die Höhendifferenz von 230 m zur Hochfläche auf getrennten rund 6 km langen Trassen zu überwinden.

Der Albaufstieg am Aichelberg mit dem 940 m langen Viadukt wurde zwischen 1935 und 1938 erbaut. Die Freigabe von der AS Kirchheim u.T. bis zur AS Ulm West erfolgte am 30.10.1937, die der Gegenfahrbahn im Juli 1938. Von den zwischen Mülhausen i.T und Hohenstadt getrennt verlaufenden Fahrbahnen konnte bis 1938 nur die Abstiegsstrecke am Drackensteiner Hang fertig gestellt werden. An der Aufstiegstrasse, im Albtal zwischen Mühlhausen und Wiesensteig, mussten die Arbeiten 1942 kriegsbedingt eingestellt werden. Der sich in diesem Abschnitt befindliche 625 m lange Lämmerbuckeltunnel wurde von 1942 bis 1945 als Rüstungsfabrik genutzt. Erst nach dem Krieg erfolgte die Fertigstellung dieser Teilstrecke des Albaufstiegs von 1955 bis zum 25.05.1957.

Alttrasse westlich von Gruibingen

Der Abschnitt zwischen Aichelberg und der Tank- und Rastanlage Gruibingen wurde nach gründlicher Vorbereitung von 1985 bis zum 13.12.1990 neu trassiert und dreistreifig ausgebaut. Ende 2012 wird der Ausbau des weiteren Abschnitts bis zur AS Mühlhausen fertig sein. Bei Gruibingen verläuft aus Gründen des Umweltschutzes die Fahrbahn Richtung Ulm in einer 540 Meter langen Einhausung mit 3 Fahr- und einem Standstreifen. Der Bau des Tunnels wird bis Ende Mai 2012 abgeschlossen sein. Er wird danach während des Ausbaus der Fahrtrichtung Stuttgart im Gegenverkehr 4+0 betrieben.

Dem Planfeststellungsbeschluss von Anfang 2006 zufolge, soll für den weiteren Ausbau der A 8 zwischen den AS Mühlhausen und Hohenstadt ein völlig neuer, sechsstreifiger Streckenverlauf gebaut werden. Ursprünglich war vorgesehen, eine Konzession für den Bau und den Betrieb der Strecke auszuschreiben. Nach dem F-Modell sollte zur Refinanzierung von Bau, Betrieb und Unterhaltung von allen Nutzern eine Maut erhoben werden. Dieses Projekt ist jedoch nach einer neuen Machbarkeitsstudie bis heute gestoppt.

Zum Ausklang des ersten Tages unseres Treffens stellte zunächst der Abteilungsleiter des Regierungspräsidiums Stuttgart, Herr Konradin Heyd, seinen Verantwortungsbereich vor: Die Abteilung 4 „Straßenwesen und Verkehr“. Der neue Albaufstieg der A 8 ist gegenwärtig eines seiner wichtigsten Projekte. Herr Heyd hofft, bis Ende 2012 Klarheit über die Form des Betreiber-Modells zu erreichen. Der Neubau der Eisenbahnstrecke von Wendlingen nach Ulm ist dabei ebenfalls sehr aktuell. Anschließend zeigte uns Jens Glaßer, einer der beiden Autoren des Buches „Bau und Geschichte der Reichsautobahn am Albaufstieg“, eine sehr informative Power-Point-Präsentation über die Baugeschichte am Aichelberg.

Historische Aufnahme der AM Kirchheim unter Teck in den 1930ern

Am Samstag, dem 21. April 2012, begann unser Rahmenprogramm in der Autobahnmeisterei (AM) Kirchheim unter Teck. Ihr Leiter, Herr Peter Szautner schilderte zunächst sehr lebendig die Geschichte und die Aufgaben der AM. Anschließend führten er und einige seiner Mitarbeiter uns über das Gelände. Ein besonderer Glanzpunkt der AM sind zwei Modelle der gesamten Aufstiegsstrecke aus den 1930er Jahren; Frau Nicole Weber vom Baureferat Süd des Regierungspräsidiums Stuttgart gab uns dazu fundierte fachliche Erklärungen.

Ansicht der Autobahnmeisterei

Danach begann die Befahrung der gesamten Strecke des westlichen Albaufstiegs – überwiegend auf Forstwegen und schmalen Nebenstraßen in unmittelbarer Nähe zur Autobahn. Begleitet wurden wir durch Mitarbeiter der Autobahnmeisterei, Frau Weber, Frau Nadja Kienle von der örtlichen Presse und Herrn Scheit, einem Baudirektor im Ruhestand, der uns sehr fachmännisch Geschichtliches und Technisches vermittelte.

Ein Halt an interessanten Stellen bot immer wieder Gelegenheit zum Fotografieren und gründlichem „Beschnuppern“
• der gestaffelten Fahrbahnteilung entlang der Tuffsteinmauer am Aichelberg,
• des Boßler-Parkplatzes auf der ehemaligen Trasse,
• der Todsburg- und Malakoffbrücke im Tal von Mülhausen nach Wiesensteig,
• des Südportals des Lämmerbuckeltunnels bei der Behelfsabfahrt Hohenstadt,
• des Bereichs oberhalb des Nasenfelstunnels bei Unterdrackenstein und
• der Drachenlochbrücke mit den im Tal noch vorhandenen Trümmerresten der im April 1945 gesprengten Brücke.

Nach Mülhausen zurückgekehrt, begann unsere Mitgliederversammlung.

Am folgenden Sonntag bekamen wir noch die Gelegenheit, die kurz vor ihrer Fertigstellung stehende Einhausung bei Gruibingen zu besichtigen. Herr Ullrich, ein Mitarbeiter von Herrn Heyd aus dem Stuttgarter Regierungspräsidium, führte uns in den Tunnel, zeigte u.a. die Tunnelleitzentrale und erläuterte die Einrichtungen für Notfälle.

Es war wieder eine sehr gelungene Veranstaltung. Das Wetter war zum Glück nicht so schlimm, wie befürchtet. Der Regen setzte erst pünktlich zum Ende der Bereisung ein. Gefreut hat uns auch die erneute Teilnahme unserer Vereinsfreunde aus Tschechien.
Bedanken möchten wir uns vor allem bei den Vertretern des Regierungspräsidiums Stuttgart und der Autobahnmeisterei Kirchheim unter Teck, die ihre Freizeit für uns geopfert haben, und natürlich auch bei allen, die zum guten Ablauf unserer Versammlung beigetragen haben.

Dr. Wolfgang Seele, Mannheim

Das obligatorische Gruppenbild vereint alle Beteiligte des Frühjahrstreffens in Mühlhausen im Täle
vor moderner Technik der Autobahnmeisterei Kirchheim unter Teck

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